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Vom Wunder zum Absturz

mandl-martin
8. Sept.
10 Min. Lesezeit

Leicester City wurde 2016 englischer Meister. Zehn Jahre später spielt der Klub in League One und steht zum Verkauf. Wie konnte aus dem größten Fußballmärchen der Moderne eine derart bittere Geschichte werden?

Leicester stürzte völlig ab - Foto-Copyright: ChatGPT
Leicester stürzte völlig ab - Foto-Copyright: ChatGPT

Es gibt Fußballgeschichten, die irgendwann zu Legenden werden.

Und es gibt Fußballgeschichten, die ihre eigene Legende überleben.

Leicester City gehört inzwischen zu beiden.

Vor zehn Jahren war Leicester der Klub, der bewies, dass im Fußball noch alles möglich war. Ein Verein, auf den vor Saisonbeginn niemand ernsthaft gewettet hätte. Ein Team aus Spielern, die keine Superstars waren. Ein Trainer, dem viele nicht mehr zutrauten, einen großen Titel zu gewinnen.

Dann kam dieses Jahr.

Jamie Vardy schoss Tore wie im Rausch. Riyad Mahrez tanzte durch gegnerische Abwehrreihen. N’Golo Kanté lief, als hätte er einen zweiten Motor. Wes Morgan führte die Mannschaft als Kapitän. Claudio Ranieri machte aus einer Ansammlung unterschätzter Spieler eine Mannschaft, die plötzlich ganz England hinter sich hatte.

Am 2. Mai 2016 war es tatsächlich passiert:

Leicester City war englischer Meister.

5.000:1 hatten die Buchmacher vor der Saison auf diesen Titel gegeben. Leicester holte 81 Punkte, verlor nur drei Spiele und wurde mit zehn Punkten Vorsprung auf Arsenal Meister. Vardy erzielte 24 Ligatore und traf in elf Premier-League-Spielen hintereinander – ein damaliger Rekord.

Es war das Märchen, das der moderne Fußball eigentlich nicht mehr erzählen sollte.

Heute spielt Leicester in der League One.

Der dritten englischen Liga.

Der Klub steht zum Verkauf. Die Eigentümer sollen mehr als 200 Millionen Pfund verlangen. Nach der 0:4-Heimniederlage gegen Oxford United liegt Leicester aktuell am unteren Ende der League-One-Tabelle. Die TV-Einnahmen, die in der Premier League noch bei rund 110 Millionen Pfund liegen können, werden in League One auf etwa zwei Millionen geschätzt.

Zehn Jahre.

Vom Gipfel in die dritte Liga.

Und dazwischen liegt eine Geschichte über Geld, Ehrgeiz, Trauer, Fehlentscheidungen – und einen Fußball, der sich schneller verändert, als ein Verein manchmal hinterherkommt.


2. Mai 2016


Vielleicht muss man an diesen Abend zurück.

Nicht in erster Linie wegen des Fußballs.

Sondern wegen des Gefühls.

Leicester war an diesem Montagabend gar nicht selbst auf dem Platz.

Die Mannschaft hatte am Vortag bei Manchester United 1:1 gespielt. Wes Morgan hatte den Ausgleich erzielt. Leicester hätte mit einem Sieg im Old Trafford den Titel praktisch selbst fixieren können.

Stattdessen mussten die Spieler warten.

Am nächsten Abend spielte Tottenham bei Chelsea.

Tottenham musste gewinnen, um Leicester noch abzufangen.

Es wurde 2:2.

Dann war es vorbei.

Leicester City war Meister.

Spieler, Fans und Mitarbeiter feierten in der Stadt und rund um den Klub. Der Verein gewann seinen ersten englischen Meistertitel überhaupt – 132 Jahre nach seiner Gründung.

Es war die perfekte Geschichte.

Ein Klub, der ein Jahr zuvor beinahe abgestiegen war.

Ein Stürmer, der wenige Jahre davor noch Non-League-Fußball gespielt hatte.

Ein französischer Mittelfeldspieler, den kaum jemand kannte.

Ein algerischer Flügelspieler, der für wenig Geld aus Le Havre gekommen war.

Ein Trainer, der in seiner Karriere große Vereine trainiert hatte, aber noch nie Meister geworden war.

Und plötzlich waren sie alle unsterblich.


Vardy kam aus einer anderen Welt


Jamie Vardy war vielleicht die perfekte Figur für dieses Märchen.

Nicht nur wegen seiner Tore.

Sondern weil seine Karriere nicht dem Weg entsprach, den der moderne Spitzenfußball normalerweise vorsieht.

Er war mit 25 Jahren noch kein etablierter Premier-League-Spieler.

2012 wechselte er von Fleetwood Town zu Leicester.

Vier Jahre später war er englischer Meister.

In der Saison 2015/16 erzielte er 24 Tore und traf in elf Premier-League-Spielen in Folge.

Die Geschichte passte perfekt zum Mythos:

Der Spieler, den das System zu spät entdeckt hatte, schlägt das System.

Und Leicester wurde zum Ort, an dem das möglich schien.


Dann kam die Champions League


Und hier beginnt die Geschichte komplizierter zu werden.

Denn Leicester bekam nach dem Meistertitel etwas, das für einen Klub dieser Größe völlig neu war:

Champions-League-Fußball.

Plötzlich kamen Gegner aus Europa nach Leicester.

Club Brugge.

Porto.

Kopenhagen.

Sevilla.

Atlético Madrid.

Leicester gewann seine Champions-League-Gruppe und erreichte im Frühjahr 2017 sogar das Viertelfinale.

Das war kein Ausrutscher.

Der Klub war plötzlich Teil jener Welt, die er ein Jahr zuvor selbst noch verspottet hatte.

Aber genau darin lag ein Problem.

Denn die Champions League verändert nicht nur die Einnahmen.

Sie verändert die Erwartungen.

Spieler wollen mehr verdienen.

Andere Spieler wollen kommen.

Der Kader muss breiter werden.

Der Verein braucht Infrastruktur.

Die Konkurrenz schläft nicht.

Und vor allem:

Der Außenseiter ist plötzlich kein Außenseiter mehr.


Das Märchen hatte einen Preis


N’Golo Kanté war der erste große Verlust.

Der Mittelfeldspieler wechselte im Sommer 2016 zu Chelsea. Rund 30 Millionen Pfund soll Chelsea bezahlt haben. Schon damals wurde darüber diskutiert, wie schwer sein Abgang wiegen würde.

Kanté war nicht einfach irgendein Spieler.

Er war das Herz dieser Mannschaft.

Er lief.

Und lief.

Und lief.

Er gab Ranieri die Möglichkeit, das extrem kompakte 4-4-2 zu spielen, mit dem Leicester seine Gegner überraschte.

Dann begann das Gerüst auseinanderzufallen.

Nicht sofort.

Das ist wichtig.

Denn Leicesters Absturz war kein plötzlicher Unfall.

Er war ein langsamer Prozess.


Ranieri musste gehen


Am 23. Februar 2017 trennte sich Leicester von Claudio Ranieri.

Neun Monate nach dem größten Triumph der Vereinsgeschichte.

Der Meistertrainer war plötzlich entlassen.

Das klingt heute beinahe grotesk.

Aber damals war Leicester in Abstiegsgefahr.

Das Champions-League-Märchen lief weiter, während die Liga immer gefährlicher wurde.

Craig Shakespeare übernahm.

Leicester rettete sich.

In Europa ging es bis ins Viertelfinale.

Dann war auch dieses Kapitel vorbei.

Das ist vielleicht der erste Moment, an dem man erkennt, wie brutal der professionelle Fußball funktioniert.

Der Titel macht dich unsterblich.

Aber nur so lange, wie du weiter gewinnst.


Und trotzdem wurde Leicester nicht zum One-Hit-Wonder


Das ist wichtig.

Denn sonst wäre die Geschichte zu einfach.

Leicester stürzte nach 2016 nicht sofort ab.

Im Gegenteil.

Der Klub gewann 2021 den FA Cup – zum ersten Mal in seiner Geschichte. Ein Jahr später erreichte Leicester das Halbfinale der Conference League.

Die Mannschaft hatte weiterhin Qualität.

Die Akademie funktionierte.

Der Verein hatte sich infrastrukturell weiterentwickelt.

Leicester war kein Zufallsprodukt mehr.

Und genau deshalb ist der heutige Absturz so interessant.

Denn er zeigt nicht, wie ein kleines Wunder scheitert.

Er zeigt, wie ein etablierter Premier-League-Klub wieder klein werden kann.


Und dann ist da Vichai Srivaddhanaprabha.

Man kann Leicester nicht verstehen, ohne über ihn zu sprechen.

Der thailändische Unternehmer und Gründer des King-Power-Konzerns übernahm Leicester 2010.

Unter seiner Eigentümerschaft stieg der Verein in die Premier League auf.

2016 wurde er Meister.

2021 gewann Leicester den FA Cup.

Vichai wurde für viele Fans zu einer außergewöhnlich beliebten Figur.

Nicht nur, weil er Geld in den Verein steckte.

Sondern weil er sich sichtbar mit der Stadt und den Fans identifizierte.

Dann kam der 27. Oktober 2018.

Nach einem Heimspiel gegen West Ham stürzte der Hubschrauber des Klubbesitzers vor dem King Power Stadium ab.

Vichai starb.

Vier weitere Menschen starben ebenfalls.

Leicester verlor seinen Besitzer.

Aber mehr noch:

Der Verein verlor einen Menschen, der für eine ganze Generation von Fans untrennbar mit der glücklichsten Zeit seiner Geschichte verbunden war.


Was danach blieb


Der Verein machte weiter.

Natürlich.

Fußballvereine müssen weitermachen.

Aber Eigentümerwechsel verändern Machtstrukturen.

Menschen gehen.

Entscheidungen werden neu getroffen.

Strategien verändern sich.

Und irgendwann ist die Generation vorbei, die das Wunder gemeinsam erlebt hat.

Das ist eine der unterschätzten Gefahren im Fußball:

Ein Verein kann sportlich dieselben Farben tragen und trotzdem ein anderer Verein werden.


Dann begann das Geldproblem


Der eigentliche Absturz wurde nicht durch einen einzelnen Fehler verursacht.

Er entstand aus einer Kombination.

Leicester wollte Premier-League-Klub bleiben.

Dafür musste der Klub investieren.

Spieler wurden verpflichtet.

Gehälter stiegen.

Verträge liefen weiter.

Und als Leicester schließlich abstieg, waren viele dieser Kosten noch da.

Die Times berichtet, Leicester habe über drei Spielzeiten mehr als 180 Millionen Pfund Verlust gemacht. Die Lohnkosten stiegen demnach auf 205,8 Millionen Pfund. Gleichzeitig wurden Verträge teilweise ohne ausreichende Absicherung für den Abstiegsfall abgeschlossen.

Das ist die dunkle Seite des Aufstiegs.

Man kann seine Kosten sehr schnell an die Premier League anpassen.

Die Einnahmen verschwinden beim Abstieg aber noch schneller.


Der erste Abstieg


2022/23 war es soweit.

Leicester wurde 18.

Abstieg.

Nach neun Jahren Premier League.

Der Verein war innerhalb von zwölf Monaten von einem etablierten Erstligisten zu einem Championship-Klub geworden.

Aber noch schlimmer:

Der Klub musste jetzt mit den finanziellen Folgen umgehen.

Und trotzdem gelang sofort die Rückkehr.

2023/24 wurde Leicester Meister der Championship.

Aufstieg.

Die Fans durften wieder träumen.

Vielleicht war das alles nur ein Ausrutscher.

Vielleicht würde Leicester wieder dorthin zurückkehren, wo es hingehörte.


Aber der zweite Absturz war schlimmer


2024/25 kam Leicester zurück in die Premier League.

Und wieder ging es nach unten.

Platz 18.

Wieder Abstieg.

Diesmal ohne die Illusion, dass es sich nur um einen Betriebsunfall handelt.

Denn inzwischen war sichtbar:

Der Verein hatte strukturelle Probleme.

Und dann kam die Rechnung.


Sechs Punkte Abzug

Leicester wurde wegen eines Verstoßes gegen die finanziellen Regeln mit einem Abzug von sechs Punkten in der EFL bestraft. Der Fall betraf die Profit and Sustainability Rules.

Sechs Punkte.

In einer Liga, in der jeder Punkt zählt.

Und dann kam das nächste Problem:

League One.


Der Fall durch drei Stockwerke


Premier League.

Championship.

League One.

Drei Ligen.

In zwei Jahren.

Das ist der Moment, in dem Leicester vom Fußballmärchen zur Warnung wird.

Denn in England bedeutet jeder Abstieg nicht einfach nur weniger Prestige.

Er bedeutet weniger Fernsehgeld.

Weniger Sponsoring.

Weniger Attraktivität.

Weniger Spieler.

Weniger Einnahmen.

Und plötzlich wird ein Verein, der an Premier-League-Strukturen gewöhnt ist, in eine Liga gedrückt, deren ökonomische Realität eine völlig andere ist.

Die Times schätzt den Unterschied bei den TV-Einnahmen auf rund 110 Millionen Pfund Premier League gegenüber etwa zwei Millionen in League One.

Das ist keine Delle.

Das ist eine Klippe.


Und trotzdem soll Leicester 200 Millionen Pfund kosten


Hier wird die Geschichte fast absurd.

King Power will den Klub verkaufen.

Der verlangte Preis:

mehr als 200 Millionen Pfund.

Ein Drittligist.

Ein Verein, der gerade 0:4 gegen Oxford United verloren hat.

Ein Klub, dessen Fernseheinnahmen eingebrochen sind.

Ein Klub, der finanzielle Probleme hat.

Aber auch:

Ein Verein mit einem Premier-League-Titel.

Mit einem großen Stadion.

Mit einem hochmodernen Trainingszentrum.

Mit einer weltweiten Marke.

Und mit der Erinnerung daran, dass Leicester schon einmal ganz oben war.

Der Käufer würde also nicht nur einen Drittligisten erwerben.

Er würde auf die Rückkehr dieses Drittligisten wetten.


Leicester ist deshalb heute weniger ein Fußballverein als eine Wette auf seine Vergangenheit


Das ist vielleicht der interessanteste Punkt.

Was kauft ein Investor tatsächlich?

Nicht Leicester 2026.

Er kauft Leicester 2030.

Oder 2032.

Er kauft die Hoffnung, dass der Verein wieder Premier League spielt.

Denn nur dann entfaltet ein großer Teil des vorhandenen Wertes wieder seine Wirkung.

Das Stadion.

Die Trainingsanlage.

Die Marke.

Die Fans.

Die internationale Bekanntheit.

Die Premier-League-Historie.

Der Meistertitel.

Alles ist noch da.

Nur die Liga ist weg.


Und Jamie Vardy ist auch weg


Es gibt für diese Geschichte kaum ein besseres Symbol.

Jamie Vardy war der letzte Spieler, der Leicester 2016 und später noch einmal als Meister und FA-Cup-Sieger repräsentierte.

13 Jahre war er beim Verein.

Er erzielte in seiner Leicester-Zeit die Tore, die aus einem Spieler eine Legende machten.

Er war der lebende Beweis dafür, dass die unglaubliche Geschichte tatsächlich passiert war.

Im Sommer 2025 ging er.

2026 ist er 39 Jahre alt.

Und gerade jetzt, wo Leicester in League One angekommen ist, spielt Vardy für Burnley in der Championship. Er unterschrieb dort Anfang September einen Vertrag bis Saisonende.

Das ist ein fast perfektes Bild für den Zustand des Vereins.

Der letzte Held des Märchens ist noch im englischen Fußball.

Nur nicht mehr bei Leicester.


Vielleicht musste Vardy gehen


Das ist keine Kritik.

Ein 39-Jähriger darf sich entscheiden, wo er seine Karriere beendet.

Aber symbolisch ist es brutal.

Denn damit verschwindet die letzte direkte Verbindung zur Mannschaft von 2016.

Ranieri ist weg.

Mahrez ist weg.

Kanté ist weg.

Morgan ist weg.

Schmeichel ist weg.

Vardy ist weg.

Und irgendwann bleiben nur noch Bilder.


Was bleibt, wenn die Helden gegangen sind?


Das ist die eigentliche Frage.

Denn Fußballvereine leben von Erinnerung.

Aber Erinnerung allein gewinnt kein Spiel.

Sie bringt keine Punkte.

Sie bezahlt keine Gehälter.

Sie füllt keine Bilanz.

Sie verpflichtet keinen Spieler.

Und sie verhindert keinen Abstieg.

Leicester besitzt eine Geschichte, um die es andere Vereine beneiden würden.

Aber Geschichte ist im Profifußball kein Schutzschild.


Der Fußball vergisst schnell


Das ist vielleicht die grausamste Seite dieser Geschichte.

2016 war Leicester überall.

Dokumentationen.

Zeitungen.

Fernsehen.

Vardy.

Mahrez.

Kanté.

Ranieri.

„Dilly Ding, Dilly Dong.“

Die ganze Welt wollte Teil dieses Märchens sein.

Heute spielt Leicester in der dritten Liga.

Und außerhalb Englands interessiert es nur noch wenige.

Das ist kein Vorwurf an die Fußballwelt.

Es ist ihre Logik.

Der Fußball liebt Gewinner.

Aber noch mehr liebt er die nächste Geschichte.


Leicester war der Beweis, dass Geld nicht alles ist


Und zehn Jahre später ist Leicester fast der Beweis für das Gegenteil.

Das macht die Geschichte so stark.

Denn beide Aussagen können gleichzeitig stimmen.

Geld ist nicht alles.

Leicester hat das bewiesen.

Aber:

Geld ist notwendig, wenn man oben bleiben will.

Auch das zeigt Leicester.

Der Titel von 2016 war möglich, weil der Verein klug arbeitete.

Er scoutete Spieler früh.

Er setzte auf ein funktionierendes System.

Er hatte einen Trainer, der die Mannschaft verstand.

Er hatte einen Eigentümer, der investierte.

Er hatte ein Umfeld, in dem diese Dinge zusammenpassten.

Aber das Märchen ließ sich nicht beliebig verlängern.


Der größte Irrtum war vielleicht, dass man glaubte, man könne das Märchen konservieren


Man kann einen Meisterkader nicht einfrieren.

Man kann einen historischen Moment nicht verlängern.

Man kann nicht einfach sagen:

Wir haben bewiesen, dass es funktioniert.

Also machen wir es noch einmal genauso.

Der Fußball verändert sich.

Spieler werden älter.

Konkurrenten lernen.

Gehälter steigen.

Agenten verändern den Markt.

Finanzregeln verändern sich.

Eigentümer wechseln.

Trainer gehen.

Und irgendwann ist die Mannschaft, die einmal gegen alle Wahrscheinlichkeiten gewonnen hat, Geschichte.


Aber Leicester hat etwas gewonnen, das ihm niemand mehr nehmen kann


Und hier sollte der Text nicht einfach im Untergang enden.

Denn trotz allem:

Leicester ist englischer Meister.

Für immer.

Niemand kann diesen Titel zurücknehmen.

Kein Abstieg.

Keine Insolvenzgefahr.

Kein Punktabzug.

Kein Eigentümerwechsel.

Kein schlechter Transfer.

Nichts davon.

Der 2. Mai 2016 bleibt.

Vardy bleibt.

Mahrez bleibt.

Kanté bleibt.

Ranieri bleibt.

Wes Morgan, der die Trophäe in die Höhe hielt, bleibt.

Die Bilder bleiben.

Und die Stadt Leicester wird immer sagen können:

Wir haben es geschafft.

Einmal.

Gegen alle.


Vielleicht ist das sogar die schönste Pointe


Der moderne Fußball versucht ständig, alles planbar zu machen.

Mehr Geld.

Mehr Daten.

Mehr Scouts.

Mehr Analysten.

Mehr Spiele.

Mehr Kontrolle.

Mehr Investitionen.

Mehr Vermarktung.

Und dann kommt Leicester.

Ein Verein, der zeigt, dass Fußball manchmal noch immer aus Dingen besteht, die sich nicht planen lassen.

Eine Mannschaft findet sich.

Ein Trainer trifft den richtigen Ton.

Ein Spieler explodiert.

Ein anderer wird zum besten Mittelfeldspieler der Liga.

Ein Ball geht rein.

Ein anderer nicht.

Ein großer Favorit stolpert.

Und plötzlich ist etwas passiert, das eigentlich unmöglich war.


Zehn Jahre später ist Leicester wieder dort, wo Fußball manchmal am brutalsten ist.


Nicht auf dem Gipfel.

Nicht im Rampenlicht.

Sondern unten.

League One.

Auswärtsfahrten nach Orten, die vor wenigen Jahren niemand mit Leicester verbunden hätte.

Andere Gegner.

Andere Stadien.

Andere Einnahmen.

Andere Erwartungen.

Und ein Verein, der versucht, sich daran zu erinnern, wer er einmal war.

Vielleicht ist das die eigentliche Tragik:

Leicester hat nicht vergessen, wie es war, Meister zu sein.

Aber der Fußball hat längst weitergemacht.


VOM WUNDER ZUM ABSTURZ

2016:

Englischer Meister.

2021:

FA-Cup-Sieger.

2023:

Abstieg.

2024:

Wiederaufstieg.

2025:

Wieder Abstieg.

2026:

League One. Zum Verkauf.

Mehr als 200 Millionen Pfund soll der Klub kosten. Die Verkaufsfrist für Angebote läuft laut Times bis 14. September; zugleich wird berichtet, dass das Interesse bislang begrenzt ist.

Und irgendwo in Burnley läuft ein 39-Jähriger noch immer einem Fußball hinterher.

Jamie Vardy.

Der Mann, der einst bewies, dass im Fußball alles möglich ist.

Vielleicht ist das die letzte Ironie dieser Geschichte:

Leicester hat einmal gezeigt, dass man gegen die Wahrscheinlichkeiten gewinnen kann.

Jetzt muss der Klub beweisen, dass man gegen sie auch wieder zurückkommen kann.

Denn ein Spiel dauert 90 Minuten.

Ein Fußballmärchen vielleicht eine Saison.

Aber ein Fußballverein?

Der muss manchmal ein ganzes Leben lang mit seiner eigenen Geschichte leben.


Zwischen den Linien

Manche Vereine werden groß, weil sie gewinnen. Andere werden unvergesslich, weil sie einmal etwas schaffen, das eigentlich nicht möglich war.


Leicester war beides.

Und vielleicht beginnt die spannendste Geschichte des Klubs gerade erst wieder.

 
 
 

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